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Land & Leute · Fauna & Flora

Wüste Inseln, einzigartiges Leben.

Die Kapverden entstanden vulkanisch mitten im Atlantik und hatten nie eine Landbrücke zum afrikanischen Festland - ideale Bedingungen für Endemiten, aber auch für extreme Verletzlichkeit. Die Rasolerche war jahrzehntelang nur vom 7 km² großen unbewohnten Eiland Ilhéu Raso bekannt, dank einer erfolgreichen Umsiedlung lebt inzwischen aber auch auf der Nachbarinsel Santa Luzia eine zweite, sich selbst erhaltende Population. Boa Vista beherbergt die drittgrößte Population Unechter Karettschildkröten weltweit, und die Gewässer des Archipels sind das einzige bekannte Paarungs- und Kalbungsgebiet der Buckelwale im Nordost-Atlantik.

80+Endemische Pflanzenarten
3. größteKarettschildkröten-Nistaggregation Kap Verdes weltweit
Dez - MaiBuckelwal-Saison
0Einheimische Schlangenarten
Steckbrief

Fauna & Flora auf einen Blick.

Endemische Pflanzen
über 80 Arten, rund 78 % davon als gefährdet eingestuft
Endemische Bäume
nur 3 Baumtaxa im gesamten Archipel, darunter der Kapverdische Drachenbaum
Seltenster Vogel
Rasolerche (Alauda razae), Critically Endangered - ursprünglich nur auf Ilhéu Raso, seit der Umsiedlung 2018/19 auch auf Santa Luzia (ca. 850-1.000 Tiere, Stand Nov. 2025)
Größter Gecko
Kapverdischer Riesengecko (Tarentola gigas), bis 15,5 cm, nur Ilhéu Raso & Branco
Meeresschildkröten
✓ Verifiziert
Unechte Karettschildkröte, Hauptnistgebiet Boa Vista
Buckelwale
✓ Verifiziert
Saison Dezember-Mai, einziges bekanntes Paarungsgebiet im NO-Atlantik
Gefährliche Landtiere
keine Schlangen, keine tödlich giftigen Arten heimisch
Streng geschützt
Integral-Naturreservate Raso & Branco, unbewohnt, Zutritt stark reglementiert
Vogelwelt

Drei Vögel, die es nirgendwo sonst gibt.

Die geographische Isolation der Kapverden hat eine kleine, aber hoch spezialisierte und entsprechend verletzliche Vogelwelt hervorgebracht.

Critically Endangered

Rasolerche (Alauda razae)

✓ Verifiziert

Ursprünglich weltweit nur auf dem 7 km² großen, unbewohnten Eiland Ilhéu Raso beheimatet. Die dortige Population schwankt extrem mit dem Regen - von rund 57 Tieren im Dürrejahr 2004 bis über 1.500 in guten Jahren. 2018/2019 wurden rund 70 Vögel probeweise auf die Nachbarinsel Santa Luzia umgesiedelt, um eine zweite, unabhängige Population aufzubauen - mit Erfolg: Eine Zählung im November 2025 fand dort bereits 850 bis 1.000 Tiere mit aktiven Nestern und flüggen Jungvögeln, die Art ist damit nicht mehr auf eine einzige Insel beschränkt.

Endangered

Kapverden-Rohrsänger "Chuchurirú"

Auf Kriolu tchota-de-cana genannt, brütet heute nur noch auf Santiago und Fogo - früher auch auf São Nicolau und Brava heimisch, ist er dort inzwischen verschwunden. Lebt in bewässerten Tälern und baut hängende Nester im Schilf, meidet trockene Zonen.

Near Threatened

Kapverden-Sturmtaucher "Cagarra"

Endemischer Sturmvogel mit geschätzt rund 20.000 Alttieren - mehr als die Hälfte des Weltbestands brütet auf Ilhéu Raso (ca. 6.500 Paare), der Großteil des Rests auf Branco (ca. 3.500 Paare). Jahrzehntelang wurden Küken für den Verzehr aus den Nestern geholt; in den letzten Jahren wurden auf Raso, Branco und den Rombo-Inseln keine Tötungen mehr dokumentiert.

Meeresleben

Schildkröten & Wale - Weltklasse vor der Haustür.

Boa Vista beherbergt die drittgrößte Nistpopulation der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) weltweit - nach Oman und Südost-Florida, und die größte im gesamten Ostatlantik. Rund zwei Drittel aller kapverdischen Nistaktivität konzentrieren sich auf diese eine Insel. Zwischen 1998 und 2024 verzeichneten drei ihrer wichtigsten Neststrände einen 80-fachen Anstieg der nistenden Weibchen - eine der bemerkenswertesten Erfolgsgeschichten des Meeresschutzes weltweit, erreicht durch jahrzehntelange Strandpatrouillen, Anti-Wilderei-Arbeit und Aufklärung in den Küstendörfern. 2021 wurden an den dichtesten Neststränden bis zu 22.000 Nester pro Kilometer gezählt - zum Vergleich: die sonst weltweit führenden Standorte in Florida und Oman kommen auf bis zu 600 Nester pro Kilometer.

Von Dezember bis Mai ziehen zudem Buckelwale durch die Gewässer des Archipels - die Kapverden sind das einzige bekannte Paarungs- und Kalbungsgebiet dieser Art im gesamten Nordost-Atlantik. Der Höhepunkt der Saison liegt zwischen Februar/März und Mai, wenn balzende Männchen und Weibchen mit Kälbern am häufigsten zu beobachten sind. Nach der Paarungszeit ziehen die Tiere zu ihren Nahrungsgründen bei Island, Norwegen oder Grönland weiter, bevor sie rund ein Jahr später zum Kalben zurückkehren.

Schutzprojekte statt Alleingang

Organisationen wie BIOS.CV und die Turtle Foundation auf Boa Vista, Projecto Vitó für die Rombo-Inseln und Fogo sowie die Fundação Maio Biodiversidade auf Maio koordinieren Monitoring und Schutzprogramme und bieten teils genehmigte, geführte Beobachtungstouren an. Schildkröten-Nistplätze auf eigene Faust zu betreten oder mit Blitzlicht zu fotografieren, stört die Tiere erheblich und kann in Schutzgebieten Bußgelder nach sich ziehen.

Reptilien

Riesengecko & Skinke - eine eigene Gattung.

Alle Skinke der Kapverden gehören zur Gattung Chioninia, die ausschließlich auf dem Archipel vorkommt und nirgendwo sonst auf der Welt zu finden ist. Je nach Insel haben sich eigene Arten entwickelt: Chioninia delalandii und Chioninia spinalis sind auf mehreren Inseln verbreitet, Chioninia nicolauensis kommt nur auf São Nicolau vor, und der trotz seines Namens auf Santo Antão endemische Chioninia fogoensis. Der einst größte Vertreter, der Kapverdische Riesenskink (Chioninia coctei), ist bereits ausgestorben.

Der Kapverdische Riesengecko (Tarentola gigas) ist mit bis zu 15,5 cm Kopf-Rumpf-Länge der größte Gecko des Archipels und einer der größten weltweit - als gefährdet eingestuft und beschränkt auf die unbewohnten Integral-Naturreservate Ilhéu Raso und Ilhéu Branco. Auf Raso lebt die etwas größere Unterart Tarentola gigas gigas, auf Branco die kleinere T. g. brancoensis. Weil es auf den kargen Eilanden kaum Insekten gibt, ernähren sich die Geckos teils von Nahrung, die Seevögel für ihre Küken hochwürgen - eine enge ökologische Verflechtung zwischen Reptil und Vogelkolonie.

Flora

Der Kapverdische Drachenbaum.

⚠ Kann sich ändern

Das trockene, windexponierte Klima der Kapverden lässt kaum dichte Vegetation zu - nur in wenigen höher gelegenen, feuchteren Zonen auf Santo Antão, Fogo, Santiago und São Nicolau finden sich üppigere Pflanzengesellschaften. Von rund 740-755 dokumentierten Pflanzenarten des Archipels gelten über 80 als endemisch, und schätzungsweise 78 % dieser endemischen Arten sind nach IUCN-Kriterien gefährdet - knapp 30 % davon sogar akut vom Aussterben bedroht.

Bekanntester Vertreter ist der Kapverdische Drachenbaum (Dracaena draco subsp. caboverdeana), erst 2012 wissenschaftlich als eigene Unterart des kanarischen Drachenbaums beschrieben. Er wächst kompakter und bläulicher als sein kanarisches Pendant, wird meist 4 bis 6 (selten bis 8) Meter hoch und kommt natürlich nur auf drei Inseln des Archipels vor, an steilen Klippen und in Bergregionen. Er ist eines von nur drei Baumtaxa, die im gesamten Kapverden-Archipel überhaupt endemisch sind - und wie fast alle endemischen Pflanzen der Inseln als gefährdet eingestuft.

Warum es keine Schlangen gibt

Die Kapverden entstanden vulkanisch mitten im Atlantik und hatten nie eine Landbrücke zum afrikanischen Festland. Arten mussten das offene Meer überqueren oder fliegen, um die Inseln überhaupt zu erreichen - das erklärt sowohl den außergewöhnlich hohen Endemitenanteil als auch das vollständige Fehlen von Schlangen und tödlich giftigen Tieren. Vereinzelt gesichtete Skorpione, etwa bei Tarrafal auf Santiago, sind scheu und für Menschen ungefährlich; das größte praktische Risiko für Badende sind Seeigel im flachen, felsigen Wasser.

Autor: Michael Krautwald · Zuletzt geprüft: 13.10.2026
Quellen & Stand dieser Seite
  • Rasolerche (Population 57 Tiere 2004, bis 1.500+ in guten Jahren; Umsiedlung 2018/2019): deckt sich mit peer-reviewter Fachliteratur (u.a. Royal Society Publishing, Nature Scientific Reports) - die 2018/2019 umgesiedelten 37 bzw. 33 Vögel (zusammen rund 70) nach Santa Luzia sind dort inzwischen auf 850-1.000 Tiere angewachsen (Zählung Biosfera Cabo Verde, November 2025, mit bestätigten Bruten). Korrektur 17.10.2026: Hero-Text, Fact-Grid und POI-Karte beschrieben die Art bis dahin noch fälschlich als ausschließlich auf Ilhéu Raso vorkommend, obwohl dieser Quellenbox-Eintrag die Santa-Luzia-Population schon länger korrekt dokumentierte - auf den sichtbaren Seitenbereichen nachgezogen.
  • Karettschildkröten (Kap Verde insgesamt drittgrößte Nistaggregation weltweit, davon rund zwei Drittel der kapverdischen Nistaktivität auf Boa Vista, 80-facher Anstieg 1998-2024, bis 22.000 Nester/km 2021 an den dichtesten Boa-Vista-Stränden): bestätigt durch die Turtle Foundation sowie eine 2026 veröffentlichte Studie, zusammengefasst von Mongabay - direkt per WebFetch gegengeprüft. Präzisiert 17.10.2026: Die Studie belegt den Rang für Kap Verde als Land/Nistaggregation, nicht ausdrücklich für Boa Vista als isolierte Einzelinsel-Population - die Seite ordnete die Rangfolge zuvor an mehreren Stellen direkt Boa Vista zu. Korrektur 25.10.2026, revidiert 27.10.2026: Am 25.10.2026 wurde "zwei Drittel" sitewide auf ~90 % geändert, gestützt auf eine ältere (~2007-2009) ULPGC-Studie. Eine erneute, gezieltere Prüfung am 27.10.2026 ergab: Die Turtle Foundation nennt auf ihrer aktuellen, live abgerufenen Webseite (turtle-foundation.org) durchgängig "around two-thirds" als ihre eigene, aktuell gültige Zahl - die 90-%-Angabe stammt aus einer veralteten akademischen Quelle. Zurückkorrigiert auf "zwei Drittel" gemäß der aktuellen Organisationsangabe (betraf auch boa-vista.html und touren-aktivitaeten.html).
  • Buckelwale (einziges bekanntes Paarungs-/Kalbungsgebiet im Nordost-Atlantik, Saison Dezember-Mai): deckt sich mit mehreren wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Wanderungsmustern kapverdischer Buckelwale.
  • Keine einheimischen Schlangenarten (ergänzt 17.10.2026): bestätigt durch eine in Oryx (Cambridge University Press) peer-reviewte Übersichtsstudie zur Verbreitung und zum Schutzstatus der terrestrischen Reptilien der Kapverden - alle einheimischen Reptilien sind Geckos und Skinke (Gattungen Hemidactylus, Tarentola, Chioninia), keine Schlangen.
  • Kapverdischer Drachenbaum (Dracaena draco subsp. caboverdeana, beschrieben 2012): Erstbeschreibung durch Marrero Rodríguez & R.S. Almeida 2012 bestätigt. Hinweis zur Einordnung: Eine spätere taxonomische Arbeit (Rivas-Martínez et al. 2017) stuft die kapverdische Population als eigenständige Art (Dracaena caboverdeana) statt als Unterart ein - die Taxonomie ist also nicht einheitlich, diese Seite folgt der ursprünglichen, weiterhin gebräuchlichen Unterart-Bezeichnung.
  • Endemiten-Zahlen bei Pflanzen (740-755 Arten, über 80 endemisch, ~78 % gefährdet, ~30 % akut bedroht): stammen aus botanischer Fachliteratur zur kapverdischen Flora; exakte Artenzahlen schwanken je nach Quelle leicht, weshalb hier bewusst eine Spanne statt einer Einzelzahl genannt wird.
  • Fehlen von Schlangen/giftigen Tieren: allgemein anerkannter biogeographischer Fakt (isoliertes Vulkan-Archipel ohne Landbrücke), keine Einzelquelle nötig.
Häufig gefragt

Fragen zu Fauna & Flora.

Gibt es gefährliche Tiere auf den Kapverden?

Praktisch nicht. Es gibt keine einheimischen Schlangenarten und keine tödlich giftigen Tiere - eine Folge davon, dass die Inseln nie eine Landbrücke zum Festland hatten. Vereinzelt werden scheue Skorpione gesichtet (u. a. bei Tarrafal auf Santiago), für Badende sind Seeigel im flachen Wasser das praktisch größte Risiko.

Wann kann man Buckelwale auf den Kapverden sehen?

Die Saison läuft von Dezember bis Mai, mit dem Höhepunkt zwischen Februar/März und Mai - dann sind auch am häufigsten Weibchen mit Kälbern zu beobachten. Die Kapverden gelten als einziges bekanntes Paarungs- und Kalbungsgebiet der Buckelwale im Nordost-Atlantik.

Wo sieht man am besten Meeresschildkröten?

Boa Vista, wo rund zwei Drittel aller kapverdischen Nistaktivität der Unechten Karettschildkröte stattfinden - Kap Verde insgesamt beherbergt die drittgrößte Nistaggregation weltweit. Beobachtungen sollten nur über lizenzierte Guides bzw. genehmigte Touren erfolgen, um die Nistplätze nicht zu stören.

Ist der Kapverdische Drachenbaum derselbe wie auf den Kanaren?

Nah verwandt, aber nicht identisch: Der Kapverdische Drachenbaum ist eine eigene, erst 2012 wissenschaftlich beschriebene Unterart (Dracaena draco subsp. caboverdeana) - kompakter und bläulicher als sein kanarisches Pendant und nur auf drei Inseln des Archipels heimisch.

Warum sind so viele endemische Arten der Kapverden vom Aussterben bedroht?

Viele Arten haben extrem kleine, isolierte Populationen - manche kommen nur auf einer einzigen, oft unbewohnten Insel vor. Eingeschleppte Räuber wie Ratten und verwilderte Katzen, Ziegen als Vegetationsfresser, Lebensraumverlust und historische Bejagung (etwa von Sturmtaucher-Küken) haben viele Bestände zusätzlich geschwächt.

Kann man die Vogelinseln Raso und Branco besuchen?

Beide sind unbewohnte Integral-Naturreservate mit stark eingeschränktem Zugang und in erster Linie für Forschungs- und Schutzprojekte reserviert - für normale Besucher praktisch nicht zugänglich.

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