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Ratgeber · Infrastruktur
Datenstand verifiziert: September 2026

Strom, Wasser & Netz.

Kap Verde hat kaum nutzbare natürliche Süßwasserreserven und importiert die fossilen Brennstoffe für seine Stromerzeugung praktisch vollständig - erzeugt aber bereits heute rund ein Viertel seines Stroms selbst aus Wind und Sonne, mit wachsendem Anteil. Was das für deinen Alltag oder Aufenthalt konkret bedeutet.

~24-29 %Erneuerbare Energien (2023)
Größter TeilTrinkwasser aus Entsalzung
5 KabelUnterseekabel-Anbindung
2030Ziel nationaler Abfallplan (PENGeR)
Steckbrief

Basisinfrastruktur auf einen Blick.

Erneuerbare Energien
~24-29 % (2023), Ziel 50 % bis 2030
Stromausfälle
Gelegentlich, besonders Praia/Santiago (2025 verschärft)
Trinkwasser
Meist Meerwasserentsalzung, Flaschenwasser empfohlen
Sichere Wasserversorgung
~62 % laut WHO/UNICEF JMP
Internet-Backbone
5 Unterseekabel (u. a. EllaLink, WACS)
Abfallmanagement
Nationaler Plan PENGeR 2015-2030, EU-gefördert
Strom

Zwischen Solarausbau und Stromausfällen.

Kap Verde importiert nahezu die gesamte fossile Energie und setzt daher strategisch stark auf erneuerbare Energien: 2023 lag der Anteil bei rund 24-29 % (je nach Quelle und Methodik), mit einem erklärten nationalen Zwischenziel von 50 % bis 2030. Beim 100-%-Zieljahr sind sich die offiziellen kapverdischen Dokumente selbst uneinig: Der NDC und der Electricity Sector Master Plan (2018-2040) nennen 2040, der Strategic Sustainable Development Plan 2022-2026 nennt dagegen 2050 - eine ausführliche Einordnung dieser Diskrepanz findest du auf unserer Green-Energy-Themenseite. Ob das 50-%-Zwischenziel bis heute (September 2026) bereits erreicht wurde, ließ sich nicht tagesaktuell verifizieren - behandle die 2023er-Zahl als Ausgangspunkt, nicht als aktuellen Stand.

Im September/Oktober 2025 kam es in Praia und weiten Teilen Santiagos zu einer dokumentierten Stromausfall-Krise mit rund 60 aufeinanderfolgenden Tagen täglicher, teils mehrstündiger Ausfälle - Anwohner protestierten öffentlich, der Versorger EPEC mietete zusätzliche Generatoren an und gewährte für Oktober/November 2025 einen 20%-Rabatt als Entschädigung. Die akute Krise dieser Dimension ist seither nicht wiederaufgetreten, die Lage bleibt aber fragil: Im Mai 2026 waren erneut dringende Eingriffe an den Umspannwerken Palmarejo und Monte Vaca nötig, und Santiago weist mit rund 31,4% weiterhin die höchsten Netzverluste aller Inseln auf (nationaler Schnitt: 22,3%) - einzelne angekündigte Wartungsabschaltungen (zuletzt 9.10.2026 in Nord-Santiago) kommen weiterhin vor. Reisende und Auswanderer auf Santiago sollten vorsorglich eine Powerbank griffbereit haben und bei wichtigen Terminen (Online-Meetings, Geräteaufladung) einen Zeitpuffer einplanen.

Trinkwasser

Woher das Wasser wirklich kommt.

Kap Verde hat praktisch keine natürlichen Süßwasserreserven - der Großteil des Trinkwassers stammt aus Meerwasserentsalzungsanlagen.

Meerwasserentsalzung

Der weit überwiegende Teil des Trinkwassers stammt aus Entsalzungsanlagen, konzentriert auf die größeren Inseln (Santiago, Sal, São Vicente, Boa Vista) - der exakte nationale Anteil schwankt je nach Quelle und Erhebungsjahr stark, weshalb wir hier bewusst keine einzelne Prozentzahl nennen. Der Rest kommt aus begrenzten Grundwasser- und Quellvorkommen, vor allem in den feuchteren Tälern Santo Antãos - diese Ressourcen reichen aber bei Weitem nicht für die landesweite Versorgung, weshalb Entsalzung seit Jahren weiter ausgebaut wird. Das Leitungswasser ist behördlich aufbereitet, wird aber wegen Leitungsalter und teils unregelmäßiger Wasserdrücke meist nicht als Trinkwasser empfohlen.

Zugang laut WHO/UNICEF

Nach WHO/UNICEF-JMP-Daten haben rund 87 % der Bevölkerung Zugang zu einer grundlegenden Trinkwasserversorgung, aber nur etwa 62 % zu einer "sicher verwalteten" Versorgung nach den strengeren JMP-Kriterien - eine Lücke, die vor allem ländliche Gebiete und kleinere Inseln betrifft.

Praktischer Tipp

Kaufe abgefülltes Wasser für Trinkzwecke - in Supermärkten und Kiosken überall günstig verfügbar. Zum Zähneputzen ist Leitungswasser in den meisten Unterkünften der größeren Inseln unbedenklich, bei Magenempfindlichkeit lieber ebenfalls Flaschenwasser nutzen.

Wasserknappheit als Langfristthema

Der Klimawandel und unregelmäßige Regenzeiten verschärfen die strukturelle Wasserknappheit - ein Grund, warum Investitionen in Entsalzung und effizientere Verteilnetze politische Priorität genießen.

Digitale Anbindung

Fünf Kabel unter dem Atlantik.

Kap Verde ist über mehrere internationale Unterseekabel an das globale Internet angebunden, darunter EllaLink (Verbindung Europa-Lateinamerika mit kapverdischem Landepunkt), WACS (West Africa Cable System), Atlantis-2 und SAT-3/WASC sowie das regionale SHARE-Kabel. Diese redundante Anbindung reduziert das Risiko eines kompletten Internetausfalls, wie er in manchen westafrikanischen Ländern bei Kabelschäden schon vorkam. Ein nationales Backbone-Upgrade-Projekt (bekannt als CSII-4) soll die Bandbreite zwischen den Inseln zusätzlich verbessern. Wichtig zur Einordnung: Diese Kabel sichern die internationale Anbindung des Landes insgesamt - sie sagen nichts darüber aus, wie stabil die Verbindung an einem konkreten Haushalt, Hotel oder Coworking-Space ist. Dafür zählen die "letzte Meile" (Festnetz-/Mobilfunkausbau vor Ort) und die Netzqualität je Insel, siehe SIM-&-Internet-Guide.

Abfallmanagement im Umbau

Kap Verde verfolgt seit 2015 den nationalen Abfallmanagementplan PENGeR (Plano Estratégico Nacional de Gestão de Resíduos) mit Zielhorizont 2030, unterstützt durch EU-Fördermittel. Ein konkretes Projekt ist eine neue Abfallbehandlungsanlage auf Maio. Für Reisende heißt das: Mülltrennung ist noch nicht überall etabliert - sei besonders sparsam mit Plastik und nimm nach Möglichkeit Müll aus Naturschutzgebieten wieder mit.

Autor: Michael Krautwald · Zuletzt geprüft: 21.10.2026
Quellen & Stand dieser Seite
  • "Strom-Rohstoffe"-Formulierung präzisiert (21.10.2026): Der Hero-Text sagte zuvor pauschal "importiert Strom-Rohstoffe vollständig", direkt neben der Angabe "~24-29% erneuerbare Energien" - unklar formuliert, da importiert wird der fossile Brennstoff für die Stromerzeugung, nicht der Strom selbst, und der erneuerbare Anteil wird gerade NICHT importiert. Entsprechend präzisiert.
  • Anteil erneuerbarer Energien (~24-29 %, 2023): IRENA-Statistikprofil und Africa Energy Portal stimmen in dieser Spanne überein; die 2025er-Fortschrittszahl (~33 %) ließ sich nicht an einer offiziellen Primärquelle gegenprüfen und wird daher als Schätzung, nicht als bestätigter Wert kommuniziert.
  • Zielmarke 50 % bis 2030 / 100 %-Zieljahr (2040 vs. 2050): die Diskrepanz zwischen Electricity Sector Master Plan (2018-2040) und Strategic Sustainable Development Plan 2022-2026 ist in offiziellen kapverdischen Dokumenten selbst angelegt - absichtlich nicht zugunsten eines Werts aufgelöst.
  • Stromausfall-Krise Praia/Santiago (aktualisiert 15.10.2026): Krisen-Zeitraum (~60 Tage tägliche Ausfälle), Proteste und EPEC-Maßnahmen (Generator-Anmietung, 20%-Rabatt) bestätigt via expressodasilhas.cv (03.10.2025, direkt per WebFetch gegengeprüft). Folge-Eingriffe Mai 2026 (Umspannwerke Palmarejo/Monte Vaca) und die geplante Wartungsabschaltung vom 09.10.2026 (Nord-Santiago) bestätigt via expressodasilhas.cv und anacao.cv. Netzverlust-Zahlen (31,4% Santiago vs. 22,3% national) aus Branchenberichterstattung zu EDEC/EPEC-Zielen 2025. Frühere EPEC-Aussagen, die Lage sei "100% gelöst" (Juli 2025, dann erneut im September 2025 behauptet), erwiesen sich beide Male als verfrüht - deshalb hier bewusst nicht als "behoben" dargestellt, sondern als "seither keine Krise dieser Dimension, aber weiterhin fragil".
  • Trinkwasserzugang (87 % Basisversorgung / 62 % "sicher verwaltet"): WHO/UNICEF Joint Monitoring Programme (JMP), Erhebungsstand 2022 - die aktuell verfügbaren offiziellen Zahlen, keine tagesaktuelleren Daten gefunden.
  • Grundwasser/Quellen als Ergänzung zur Entsalzung (präzisiert 15.10.2026): US Geological Survey (USGS)-Hydrologiestudien zu Santo Antão (u. a. Ribeira Paul, Ribeira Fajã) bestätigen nutzbare, aber begrenzte Grundwasser- und Quellvorkommen auf den feuchteren Inseln - die vorherige Formulierung "keine eigenen Süßwasserquellen" war zu absolut und wurde entsprechend präzisiert. Exakte nationale Prozentanteile Entsalzung vs. Grundwasser variieren stark je nach Quelle und Erhebungsjahr und werden hier bewusst nicht beziffert.
  • "85-90 %"-Entsalzungsanteil entfernt (18.10.2026): Hero-Stat und Haupttext nannten zuvor "85-90 %+" als Entsalzungsanteil am Trinkwasser - ein echter Widerspruch zur unmittelbar obenstehenden eigenen Quellenzeile, die genau diese Bezifferung ausdrücklich ablehnt. Eine Regierungsquelle belegt ">80 % der Bevölkerung mit Zugang zu entsalztem Wasser versorgt" - das ist aber eine andere Kennzahl (Bevölkerungsanteil mit Zugang) als "Anteil an der produzierten Trinkwassermenge" und wurde deshalb nicht als Ersatzzahl übernommen. Hero-Stat und Haupttext wurden stattdessen unbeziffert formuliert, konsistent mit der eigenen Quellenlage.
  • Unterseekabel-Anbindung (EllaLink, WACS, Atlantis-2, SAT-3/WASC, SHARE): bestätigt durch Branchenquellen der Telekommunikationsindustrie (u. a. Submarine Networks, dig.watch); das CSII-4-Backbone-Projekt stammt aus denselben Fachquellen.
  • Nationaler Abfallplan PENGeR (seit 2015, Zielhorizont 2030): bestätigt durch die portugiesische Botschaft in Praia sowie die kapverdische Wasser- und Abfallbehörde ANAS.
Häufig gefragt

Fragen zur Infrastruktur.

Kann ich Leitungswasser trinken?

Es wird generell nicht empfohlen - kaufe abgefülltes Wasser, auch wenn das Leitungswasser behördlich aufbereitet ist.

Kommt es häufig zu Stromausfällen?

Gelegentlich, besonders in Praia/Santiago - im September/Oktober 2025 gab es eine dokumentierte, verschärfte Ausfallphase. Eine Powerbank ist eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.

Woher stammt das Trinkwasser in Kap Verde?

Überwiegend aus Meerwasserentsalzungsanlagen - natürliche Süßwasserreserven sind sehr begrenzt.

Wie ist Kap Verde ans Internet angebunden?

Über mehrere internationale Unterseekabel (u. a. EllaLink, WACS, Atlantis-2, SAT-3), was für eine vergleichsweise robuste Anbindung sorgt.

Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien?

Rund 24-29 % (Stand 2023, bis 2025 laut neueren Schätzungen auf ca. 33 % gestiegen), mit einem nationalen Zwischenziel von 50 % bis 2030. Für das 100-%-Zieljahr gilt aktuell 2040, bestätigt durch die jüngste nationale Klimaverpflichtung (NDC 3.0, November 2025) - ein älterer Plan nannte 2050, dürfte aber überholt sein. Details dazu hier.

Infrastrukturdaten (Energieanteil, Stromausfallsituation, Wasserzugang) ändern sich mit laufenden nationalen Programmen - diese Seite gibt den Recherchestand Oktober 2026 wieder und ersetzt keine aktuelle Vor-Ort-Auskunft.

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