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Land & Leute · Kapverdische Küche

Cachupa, Grogue & die Küche zweier Kontinente.

Mais und Bohnen aus Afrika, Olivenöl und Wurst aus Portugal, Fisch und Meeresfrüchte aus dem Atlantik: In der kapverdischen Küche laufen jahrhundertealte Handelsrouten auf dem Teller zusammen. Cachupa, der langsam gegarte Mais-Bohnen-Eintopf, gilt als Nationalgericht, Grogue-Zuckerrohrschnaps als Nationalgetränk - und auf dem Vulkanboden von Fogo wachsen sogar Wein und Kaffee, die es international zu Auszeichnungen gebracht haben.

CachupaNationalgericht seit Generationen
3Kapverdische Slow-Food-Arca-Produkte
~40 %Alkoholgehalt des Grogue
1.500-1.700 mHöhe der Weinberge von Chã das Caldeiras
Steckbrief

Kapverdische Küche auf einen Blick.

Nationalgericht
Cachupa (Mais, Bohnen, Fleisch oder Fisch), Varianten Rica & Pobre
Nationalgetränk
Grogue, Zuckerrohrschnaps mit ca. 40 % Vol., 80 % der Produktion auf Santo Antão
Ponche (Pontche)
gesüßter Grogue mit Zuckerrohrhonig, Slow-Food-Arca-Produkt
Kaffee
Fogo-Arabica auf Vulkanboden, über 200 Jahre Anbautradition, Slow-Food-Arca-Produkt
Wein
Vulkanwein aus Chã das Caldeiras (Fogo), 1.500-1.700 m Höhe, mehrfach prämiert
Käse
Bolona-Ziegenkäse (Santo Antão), Slow-Food-Presidio, Slow Cheese Award 2017
Meeresfrüchte
Lagosta (Languste), Búzio (Meeresschnecke), Caldo de Peixe (Fischsuppe)
Maisgerichte
Xerém (Maisbrei), Cuscuz cabo-verdiano, Djagacida (Fogo)
Nationalgericht

Cachupa - langsam gegarte Geschichte.

Cachupa ist ein langsam gegarter Eintopf aus Mais (Hominy), Bohnen, Gemüse und Fleisch oder Fisch - und das kapverdische Nationalgericht schlechthin. Die Zutaten erzählen die Kolonialgeschichte des Archipels: Mais und Bohnen kamen aus Westafrika, Olivenöl und Wurst aus Portugal, frischer Fisch und Meeresfrüchte aus dem umgebenden Atlantik. Das Ergebnis ist das Produkt jahrhundertelanger Vermischung westafrikanischer, portugiesischer und südamerikanischer Einflüsse.

Es gibt zwei Hauptvarianten: Cachupa Rica ("reiche Cachupa") wird mit verschiedenen Fleischsorten und manchmal Thunfisch zubereitet, während die einfachere Cachupa Pobre ("arme Cachupa") vor allem aus Mais, Bohnen, Kohl und etwas Öl besteht - traditionell mit Schweinefett statt teurem Fleisch, um die Kosten niedrig zu halten. Die Zubereitung ist ein regelrechtes Ritual: Mais und Bohnen werden bereits am Vortag eingeweicht, dann stundenlang geköchelt.

Übrig gebliebene Cachupa wird keineswegs weggeworfen: Als Cachupa Refogada (auch Cachupa Guisada) wird sie am nächsten Morgen abgetropft, in der Pfanne angebraten und mit Spiegelei, oft dazu Linguiça-Wurst oder gebratenem Makrelenfisch, als klassisches Frühstück serviert.

Getränke

Grogue & Ponche - scharf und gesüßt.

Das kapverdische Nationalgetränk stammt aus dem Zuckerrohr - und wird bis heute größtenteils traditionell hergestellt.

Nationalgetränk

Grogue

Zuckerrohrschnaps, dessen erste dokumentierte Destillation auf das Jahr 1504 zurückgeht - rund ein Jahrhundert nach Beginn der portugiesischen Besiedlung, nachdem Zuckerrohr ab ca. 1490 auf dem Archipel angebaut wurde. Rund 80 % der gesamten Produktion stammt von Santo Antão, wo das Zuckerrohr in fruchtbaren Tälern wächst, auf traditionellen Pressen ("Trapiche") gepresst und in kleinen Brennereien destilliert wird - handwerklicher Grogue erreicht dabei Alkoholgehalte zwischen 38 und 60 %, Standardware liegt bei rund 40 %.

Slow-Food-Arca-Produkt

Ponche (Pontche)

Grogue, gesüßt mit Zuckerrohrhonig (teils auch mit Limette und Zimt verfeinert), um die Schärfe des reinen Schnapses abzumildern. Ponche gilt als klassisches Willkommensgetränk, das praktisch in jedem Haushalt zu jedem Anlass gereicht wird, und ist als erhaltenswertes kulinarisches Erbe in der Slow-Food-Arca del Gusto gelistet.

Fogo

Wein & Kaffee auf Vulkanboden.

In der Caldera von Chã das Caldeiras auf Fogo wachsen Reben und Kaffeepflanzen zwischen schwarzer Lava - eine der ungewöhnlichsten Anbauregionen im Atlantik.

International prämiert

Vulkanwein aus Chã das Caldeiras

Auf 1.500 bis 1.700 Metern Höhe, mitten in der Caldera des Pico do Fogo, wachsen die Reben zwischen Lapilli, schwarzer Asche und Trockenmauern. Produziert werden Rot-, Weiß- und Roséweine sowie ein bernsteinfarbener Passito aus weißen Muskattrauben, die auf den Vulkansteinen getrocknet werden. Nachdem der Ausbruch 2014/2015 die ursprüngliche Kellerei zerstört hatte, wurde sie neu aufgebaut - Weine wie "Chã Branco", "Chã Tinto" und "Chã Passito" gewannen seither Goldmedaillen beim Mondial des Vins Extrêmes.

Slow-Food-Arca-Produkt

Fogo-Kaffee

Seit über 200 Jahren wird auf Fogo Arabica-Kaffee (Bourbon und Typica) angebaut - laut mehreren unabhängigen Kaffeehandel- und Kulturquellen (keine landwirtschaftliche Zertifizierungsstelle) vollständig biologisch, ohne Pestizide oder chemischen Dünger, ausschließlich mit Regenwasser bewässert. Der mineralreiche Vulkanboden verleiht den Bohnen ein Aroma mit Noten von Schokolade, Karamell, tropischen Früchten und roten Beeren bei ausgewogener Säure. Wegen des ariden Klimas und schwindender Erträge gilt Fogo-Kaffee als gefährdetes Kulturgut und ist in der Slow-Food-Arca del Gusto gelistet.

Alltagsküche

Fisch, Mais & Käse.

Frischer Fang wird am Strand für die Küche vorbereitet - Community-Foto von Doris Tobler
Frischer Fang direkt vom Strand - Foto: Doris Tobler

Neben Cachupa prägen vor allem Fisch- und Maisgerichte den kapverdischen Speiseplan. Caldo de Peixe ist eine leicht gewürzte Fischsuppe mit Kartoffeln, Möhren, Maniok und Kürbis, meist mit Reis oder Maisbrei serviert. Búzio ist ein Meeresfrüchte-Eintopf aus einer großen Meeresschnecke in Tomaten-Kokosmilch-Sauce. Auf Sal beliebt ist die Lagostada: Languste, über heißer Kohle gegart, mit Knoblauchbutter gewürzt und zusammen mit Xerém und Süßkartoffel serviert. Pastel com o diabo dentro ("Pastete mit dem Teufel drin") ist eine frittierte Teigtasche mit einer scharfen Chili-Füllung, die dem Gericht seinen Namen gibt.

Bei den Maisgerichten dominiert Xerém, ein grob gemahlener Maisbrei, oft mit gesalzenem Schweinefleisch oder Fisch, Knoblauch und Zwiebeln gekocht. Cuscuz cabo-verdiano - trotz des Namens nicht mit nordafrikanischem Couscous zu verwechseln - ist ein im Tongefäß ("Binde") gedämpfter Maiskuchen, meist warm mit Butter oder Zuckerrohrsirup gegessen. Auf Fogo typisch ist Djagacida: Maismehl, Bohnen, Kohl, gesalzenes Fleisch oder Fisch und die kleine, würzige Favona-Bohne.

Beim Käse sticht der Bolona-Ziegenkäse von Santo Antão heraus: Er wird in Bolona, einer kleinen Ortschaft auf einem halbariden Hochplateau, aus roher Ziegenmilch komplett ohne Wasserzusatz, ohne Erhitzen und ohne Kühlung hergestellt - eine Herde von rund 7.000 Ziegen sichert dort mehr als 60 Familien Einkommen. Der Käse war 2007 das erste kapverdische Produkt, das bei einer internationalen Slow-Food-Veranstaltung ausgezeichnet wurde, und gewann 2017 einen Slow Cheese Award in Italien.

Drei kapverdische Produkte in der Slow-Food-Arca del Gusto

Fogo-Kaffee, Ponche und die kapverdische Ziege (als Basis des Bolona-Käses) stehen auf der internationalen "Arca del Gusto" der Slow-Food-Stiftung - einem Katalog gefährdeter, kulturell bedeutsamer Lebensmitteltraditionen, die als erhaltenswert gelten. Für Reisende ein guter Kompass: Wer diese drei Produkte probiert, bekommt einen authentischen Querschnitt durch die kapverdische Esskultur.

Autor: Michael Krautwald · Zuletzt geprüft: 21.10.2026
Quellen & Stand dieser Seite
  • Cachupa (Rica/Pobre, Zubereitung, Cachupa Refogada): allgemein anerkanntes kapverdisches Alltagswissen, übereinstimmend in mehreren unabhängigen Kochkultur-Quellen beschrieben - keine Einzelquelle nötig.
  • Grogue (80 % Produktion auf Santo Antão, 38-60 % Vol., korrigiert 27.10.2026): deckt sich mit wissenschaftlicher Literatur (Economic Anthropology) und der Slow-Food-Arca-del-Gusto-Eintragung. Die zuvor genannte Jahreszahl "um 1462" bezog sich fälschlich auf die Gründung der ersten portugiesischen Siedlung - Zuckerrohranbau selbst ist erst ab ca. 1490 belegt, die erste dokumentierte Destillation (damals noch "aguardente de cana sacarina", nicht "Grogue" genannt) stammt von 1504. Haupttext und FAQ wurden entsprechend auf 1504 korrigiert.
  • Fogo-Wein (Chã Branco/Tinto/Passito, Goldmedaillen Mondial des Vins Extrêmes): direkt per Recherche bestätigt - die Kellerei gewann in mehreren Jahrgängen (u. a. 2024, 2025) Gold- bzw. "Grand Gold"-Medaillen bei diesem Wettbewerb für Wein aus extremen Lagen.
  • Fogo-Kaffee & Ponche als Slow-Food-Arca-Produkte (präzisiert 15.10.2026): Die Arca-del-Gusto-Listung selbst sowie Anbauhöhe und Erntezeit (Feb./März) sind direkt über die offizielle Slow-Food-Foundation-Seite bestätigt. Die Slow-Food-Seite selbst äußert sich NICHT zu Bio-/Pestizidfreiheit oder den genauen Sorten - diese Angaben (vollständig biologisch, keine Pestizide, nur Regenwasserbewässerung, Bourbon & Typica) stammen übereinstimmend aus mehreren unabhängigen Kaffeehandel-/Kulturquellen (u. a. meetcaboverde.com, cabo-verde.cv, Barista Magazine), nicht aus einer landwirtschaftlichen Zertifizierungsstelle - als Sekundärquelle gekennzeichnet.
  • Bolona-Ziegenkäse (7.000 Ziegen, über 60 Familien, Slow-Food-Auszeichnung 2007, Slow Cheese Award 2017): die Zahlen zu Ziegenherde und Familien stammen aus einer Slow-Food-Pressemitteilung; die offizielle Slow-Food-Presidio-Seite selbst nennt davon unabhängig "22 Hirten/Käser" als aktive Presidio-Mitglieder - beide Angaben beziehen sich vermutlich auf unterschiedliche Bezugsgrößen (Gesamtregion vs. Presidio-Kooperative) und werden hier nicht vermischt dargestellt.
Häufig gefragt

Fragen zur kapverdischen Küche.

Was ist Cachupa?

Das kapverdische Nationalgericht - ein langsam gegarter Eintopf aus Mais, Bohnen, Gemüse und Fleisch oder Fisch, der westafrikanische, portugiesische und atlantische Einflüsse vereint.

Was ist der Unterschied zwischen Cachupa Rica und Pobre?

Cachupa Rica wird mit verschiedenen Fleischsorten (manchmal Thunfisch) zubereitet, während die einfachere Cachupa Pobre vor allem aus Mais, Bohnen und Kohl mit etwas Öl oder Schweinefett besteht - günstiger, aber im Alltag die häufigere Variante.

Was ist Grogue?

Ein Zuckerrohrschnaps mit rund 40 % Alkoholgehalt (handwerklich auch bis 60 %), dessen erste dokumentierte Destillation auf das Jahr 1504 zurückgeht. Rund 80 % der Produktion stammt von Santo Antão.

Gibt es Wein auf den Kapverden?

Ja - in der Caldera Chã das Caldeiras auf Fogo, auf 1.500 bis 1.700 Metern Höhe, werden auf vulkanischem Boden Rot-, Weiß-, Rosé- und Passito-Weine angebaut, die international bereits Goldmedaillen gewonnen haben.

Welche Fischgerichte sind typisch?

Caldo de Peixe (Fischsuppe), Búzio (Meeresschnecken-Eintopf) und die auf Sal beliebte Lagostada (gegrillte Languste) gehören zu den bekanntesten Fisch- und Meeresfrüchtegerichten.

Was ist Ponche (Pontche)?

Grogue, gesüßt mit Zuckerrohrhonig - das klassische kapverdische Willkommensgetränk, das als erhaltenswertes kulinarisches Erbe in der Slow-Food-Arca del Gusto gelistet ist.

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